Beleuchtung der Kehrseite
Wie zeitnahe legt man sich mit seinen künstlerischen Inhalten an Ereignisse? Soll man überhaupt reagieren?
Parallelhandlung: Der Himmel wird leer. Das undenkbare wird nicht nur gedacht sondern möglich. Die Reaktion auf ein Virus verändert innerhalb weniger Wochen unser gesamtes gewohntes Gefüge. Keine Flugzeuge am Himmel, keine Fahrt zur Arbeit.
Kurz nach dem ersten lockdown im Frühjahr 2020 die Umkehrung Kafkas: Aus dem Schloss wird ein open call ausgesendet. Die OÖ KulturGmbH (sic!) ruft zu einer Summer Exhibition ins Linzer Schloss, nimmt Bezug auf die Royal Academy in London, auf deren Summer Exhibitions. Das Format ist eine blitzschnelle Reaktion auf die Ereignisse.
Der Stachel dabei: Der Call verlangt Arbeiten die im Jahr 2020 entstanden sind, nimmt aber bewusst keinen Bezug auf die Pandemie. Es scheint jedoch klar, dass man diesen Bezug will und über die zeitliche Dimension einfordert. Berichte über das Virus haben im Jänner eine breitere Öffentlichkeit erreicht, spätestens im März kommt es in Österreich an.
Man reagiert immer
Künstlerische Arbeit ist sehr aufwändig. Das eigene Empfinden fliesst in die Bilder. Von der Kamera bis zur Wand an welcher das Bild ausgestellt ist liegt oft ein weiter Weg. Man erkennt was einem in der Welt wichtig ist und setzt sich automatisch damit auseinander. Es gibt kein nicht-reagieren – selbst wenn ich keine Bilder mache die explizit Corona zum Inhalt haben.
Es kommt zum Entschluss ›Die Kehrseite‹ zu formulieren. Die eingereichten Aufnahmen zeigen Pakete, jedoch lediglich ihre Kehrseite. Natürlich hat diese Arbeit eine stark symbolisch/philosophische Komponente. In einem Pandemie Kontext gestellt, ist die Frage was ist eigentlich die Kehrseite der Pandemie? Die Pandemie wird negativ rezensiert, also muss die Kehrseite positiv sein. Die Betrachter*in kann genau danach fragen.
Es wird aber auch das Thema Datenschutz thematisiert. Die Betrachter erfahren nicht von wo die Pakete kommen, nicht wer die Empfänger sind. Im Zuge der Pandemie gerät der Datenschutz weiter unter Druck. Zum Beispiel werden die Bewegungsdaten der österreichischen Mobiltelefonnuter*innen ohne Nennenswerten Diskurs an die Regierung übertragen um nur ein Beispiel zu nennen. Also eine weitere Kehrseite. In dieser Arbeit bleiben Daten von Sender und Empfänger bewusst verborgen.
